Bin etwa ich es? (Ausgewählte Schriften)
Von der Bewahrung des Christen in der Welt

Deutsche Ausgabe
Sergej Fudel: Bin etwa ich es? Von der Bewahrung des Christen in der Welt
222 Seiten︱Klappenbroschur︱21 €
Der deutschsprachige Sammelband umfasst wichtige theologische Texte, die in literarischer Form Wege zum Christsein „in der Welt“ und in einer Kirche weisen, die selbst stets im Kampf mit der Verweltlichung steht. Im Einzelnen:
- Über das Leben in der Welt
- Kirche der Gläubigen
- Das Licht der Kirche
- Die Gemeinschaft des ewigen Lebens
- An meine Kinder und Freunde
Der Titel bezieht sich auf Mt 26,21-22:
Während sie aßen, sprach Er: Amen, Ich sage euch: Einer von euch wird Mich überliefern. Und sehr betrübt fingen sie ein jeder von ihnen an, zu Ihm zu sagen: Bin etwa ich es, Herr?
Sergej Fudel, russischer orthodoxer Schriftsteller mit deutschen Wurzeln, stellt sich in der dunklen Ära sowjetkommunistischer Kirchenverfolgung, einer Zeit wegbrechender äußerer Glaubensgewissheiten, kompromisslos derselben Frage: Verrate etwa auch ich in meinem Denken, Fühlen, Handeln meinen Erlöser?
Das vorliegende Buch spiegelt seine Suche nach innerer Gewissheit: Wenn selbst die Apostel – ein jeder von ihnen – beim mystischen Letzten Abendmahl an ihrer eigenen Gottestreue zweifelten, was bedeutet dies für uns „Durchschnitts-Christen“? Wie kann man in der Welt von heute Gott treu bleiben, unzweifelhaft zur Kirche gehören, heilig sein? Was ist diese Kirche? Genügen rechte Taufe, „richtiges“ Credo, das Abendmahl in orthodoxer Tradition für den Eintritt? Führen sie uns in den sicheren Hafen des Königtums Gottes – oder womöglich in eine den Aposteln so fremde Selbstgewissheit?
Es entscheidet sich in unseren Herzen, ob wir wirklich unterwegs in dieses himmlische Reich sind – oder uns, mit Fudels Worten, auf dessen sakramental gewonnener „Staatsangehörigkeit“ ausruhen und dabei in der Welt bleiben, letztlich gar aus mangelnder Liebe, Pharisäertum oder Gleichgültigkeit selbst Teil jenes „dunklen Doppelgängers der Kirche“ werden, der historisch immerfort präsent und zum Verrat am Erlöser bereit ist.
Leseproben
An meine Kinder und Freunde (Auszug)
Russische Quellen
https://azbyka.ru/otechnik/Sergej_Fudel/
- https://azbyka.ru/otechnik/Sergej_Fudel/put-ottsov/9 (Über das Leben in der Welt)
- https://azbyka.ru/otechnik/Sergej_Fudel/tserkov-vernyh/ Kirche der Gläubigen, Die Gemeinschaft des ewigen Lebens)
- https://azbyka.ru/otechnik/Sergej_Fudel/svet-tserkvi/ (Das Licht der Kirche)
- https://azbyka.ru/otechnik/Sergej_Fudel/moim-druzjam-i-detjam/ (An meine Kinder und Freunde)
Dreibändige Werkausgabe (Hg: Erzpr. N. V. Balaschow, L. I. Saraskina): Bd. I (Moskau 2001, S. 111 — 222)
Inhalt
Das Buch beschäftigt sich mit dem christlichen Leben in der Welt und der Bedeutung der Kirche für die Gläubigen. Es setzt sich intensiv mit der Frage auseinander, wie die Lehren der asketischen Väter und die Ideale des Mönchtums in das Leben von Laien übertragen werden können. Die zentrale These ist, dass das Evangelium und die Nachfolge Christi nicht nur für Mönche, sondern für alle Christen verpflichtend sind. Die Askese wird dabei nicht als äußerliche Leistung verstanden, sondern als „innere Arbeit“ – ein unsichtbarer Kampf um Demut, Glauben und Liebe.
Die Kirche wird als lebendiger, göttlich-menschlicher Organismus beschrieben, der in seinen Heiligen lebt und durch die Gnade des Heiligen Geistes getragen wird. Die wahre Kirche besteht aus den „Gläubigen“, das heißt aus denen, die ihren Glauben durch Liebe und Werke bezeugen. Die Zugehörigkeit zur Kirche wird nicht in erster Linie durch äußere Merkmale oder die Teilnahme an Sakramenten bestimmt, sondern durch einen lebendigen, heiligen Glauben, der sich im Leben und Handeln zeigt.
Ein zentrales Thema ist die Spannung zwischen der sichtbaren und der unsichtbaren Kirche: Während die sichtbare Kirche auch Sünder und Heuchler umfasst, besteht die wahre, heilige Kirche in der Gemeinschaft der Heiligen. S: Fudel betont die Gefahr der Verweltlichung und des bloßen Formalismus mehrfach. Die Kirche jedoch ist kein „Dogmenmuseum“, sondern der lebendige Leib Christi, in dem Glaube und Liebe untrennbar verbunden sind.
Die Heiligkeit der Kirche und ihrer Glieder wird dabei nicht als moralische Unfehlbarkeit verstanden, sondern als ständiges Streben nach Gott, als Wachstum in der Gnade und als Teilhabe am göttlichen Leben. Heilige sind nicht vollkommen, sondern unaufhörlich auf der Suche nach Gott, und führen ein Leben in Reue und Demut.
Ein weiteres zentrales Motiv ist das „Königtum Gottes“, das bereits hier auf Erden im Herzen der Gläubigen beginnt. Das Ziel des christlichen Lebens ist die Gemeinschaft mit Gott durch die Gnade des Heiligen Geistes, die Vergöttlichung des Menschen. Diese Gnade wird durch Glauben, Liebe und den „Podwig“ (geistlichen Kampf) erworben und bewahrt.
S. Fudel warnt vor einer rein äußerlichen Religiosität und ruft zu einem authentischen, innerlich erneuerten Glauben auf. Die Kirche wird als „kleine Herde“ beschrieben, die trotz aller historischen Krisen und inneren Spaltungen durch die Gnade Gottes bewahrt bleibt. Die Gläubigen sind aufgerufen, sich immer wieder zu prüfen, in Reue zu leben und die Liebe als Erfüllung des Gesetzes zu suchen.
S. Fudel betont, dass ein solches Königtum Gottes „nicht von dieser Welt“ ist. Die wahre Kirche besteht aus denen, die in der Welt leben, aber nicht von der Welt sind, sondern durch den Heiligen Geist zu einer neuen Existenz geführt werden. Die Liebe zu Gott und den Menschen ist dabei das zentrale Kriterium für die Echtheit des Glaubens und der Zugehörigkeit zur Kirche.


